2011
08.30
Zeit vergeht bekanntlich wie im Fluge – Auf Island ist man trotzdem sehr gelassen und geht Planungen mit genügend Ehrfurcht vor Eventualitäten an. Allerdings hat der Isländer über viele Winter hinweg eine weitere Zeiteinheit hervorgebracht: Die Tasse Kaffee!
Die schon beinahe an ein Nationalgetränk grenzende (tief)schwarze Flüssigkeit begleitet den Isländer und auch den Reisenden durch den Tag wie die Gezeiten, das Wetter oder das Bedürfnis nach Gemütlichkeit an einem Regentag. Mit Preisen zwischen 150 und 400 Isländischen Kronen ist Kaffee darüber hinaus auch die preiswerteste Eintrittskarte in meist äußerst orginelle und schöne gastronomische Einrichtung. Wireless Internet ist ebenso inklusive wie die zweite
oder dritte Tasse einfachen Filterkaffees, die in privaten Kreisen auch gerne Tíu Droppar (10 Tropfen) genannt wird. Das Kuchenangebot ist meisten reichhaltig und sehr! lecker. Eine weitere Spezialität für Ernährungs-Unbewusste ist der Karottenkuchen, der zumeist mit dem identischen Volumen an Sahne serviert wird. Mein Lieblingscafè, das nahe der Hallgrimmskirka gelegene Babalu, beherrscht diese Kunst zwar nicht in Perfektion serviert aber Cookies, die schon fast an eine Sünde grenzen. Nahezu diabolisch gut wird es, wenn man zwei dieser Cookies zu einem „Cookie-Sandwich“ kombiniert, welches im Grunde zwei Cookies sind, die fingerdick mit einer Vanillecreme gefüllt sind, die hauptsächlich aus Butter, Puderzucker und ein wenig Bourbon-Vanille Aroma besteht…
Dezenter am Gaumen aber nicht minder gemütlich dagegen geht es im wohnzimmerähnlichen Hemmi & Valdi zu. Der Kaffee wird zusammen mit einer isländischen Spritzgebäckkreation namens Kleina serviert und kostet ebenso wie im Babalu 320 ISK. Eine aufstrebende Größe ist besonders unter den Einheimischen das Cafe Laundromat. Die von einem Isländer ursprünglich in Stockholm gegründet Cafè-Kette verfügt mittlerweile über drei Niederlassungen in Skandinavien und besticht besonders in Reykjavik durch die enzigen wirklich frei zugänglichen Waschmaschinen. Aber auch hier geht der zweite und dritte Kaffee aufs Haus und die Zeit um, als säße man auf einer spanischen Plaza.
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2011
08.28
Der Esja ist der zweite hohe Berg, den wir im Laufe des isländischen Spätsommers bestiegen haben. Mit einer Höhe um die 780 Meter über dem Meeresspiegel ist es mit Sicherheit nicht die höchstmögliche Erhebung der Insel, die es zu begehen gilt, gewährt aber dennoch einen wunderschönen Ausblick auf die Metropolregion Reykjaviks und die leicht außerhalb liegenden Geothermalfelder im Süden. Die Anreise ist leider genau so unspektakulär wie einfach. Die Stadtbusse Reykjaviks sind in 19 Linien unterteilt und für jedermann unter der Domain www.straeto.is ersichtlich. Meine mittlerweile guten Freunde der Touristeninformation wiesen mich darauf hin, dass die Linie 15 uns zu unserem Ausflugsziel bringen würde und von der entsprechenden Endhaltestelle ein Anschlussbus in Richtung Arkanes verkehrt. Vom Service der Deutschen Bahn „geprägt“ war ich skeptisch ob der Umstiegszeit von gerade ein mal drei Minuten… ‚Man warte auf einander‘ war dagegen die gelassen-isländische Antwort.
Am Fuß des Berges angekommen wiesen bereits mehrere Schilder in Richtung der Wanderwege und nahmen einem Teil der Gefährten die Hoffnung auf eine abenteuerliche Bergbesteigung und motivierte den verbliebenen Teil. Die erste Stunde ging es dann durch eine schier endlose Gruppe Grundschulkinder in Richtung der „Bergstation“ Steinn. Von hier aus konnte man die letzten 100 Höhenmeter bewältigen, die stellenweise stark einem Klettersteig ähnelten. Am Gipfel angekommen wartete bereits eine nicht ganz unauffällige Gruppe amerikanischer Konferenzbesucher, die uns mit einem breiten How are you begrüßten und einer Rolle Granola-Schokokeksen zu einem Gruppenphoto motivierten.
Die ersehnte Ruhe und Einheit mit der Natur erhielten wir unverhofft erst am Ende der Tour: Da wir im Gegensatz zu der Konferenzgruppe unseren Bus zurück um 10 Minuten verpasst hatten, galt es die restliche Zeit zu überbrücken. Dies gelang uns am Fuße eines idyllischen angelegten Nadelwaldes in Tannebaumformat und einem glasklaren Teich, der durch spielerisch glucksende Mini-Cascaden gespeist wurde.
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2011
08.28
Der Kaldbakkur (Kalter Rücken) ist mit 998 Metern über Null die höchste Erhebung der Westfjorde. Darüber hinaus ist er Bestandteil vieler regionaler Mythen und des Elective-Programmes des EILC Sprachkurses für alle Erasmusstudenten, die an diversen Universitäten des Landes studieren und sich sprachlich darauf vorbereiten wollen. Die Kaldbakkur-Tour wurde unter den Aspekten des landestypischen Umgangs mit der Natur angeboten. Das sogenannte Friluftsliv wie es aus den kontinental-skandinavischen Ländern bekannt ist wird auch hier gelebt und kultiviert so dass ein lokaler Guide die logische Konsequenz in der Organisation und Durchführung der Tour war.
Der Gipfel selbst war von Núp aus sichtbar, dennoch mussten wir mit einer ca. 30 Personen zählenden Gruppe junger Studenten aus ganz Europa erst ein mal knapp 90 Minuten Bus fahren. Aus Respekt vor Mensch und Maschine sei angemerkt, dass es sich bei den Straßen eher um paralell verlaufende Schafspfade handelte. Der Schafspfad selbst sei laut des Guides die beste Möglichkeit sich in abgelegenen Regionen fortzubewegen. Wir folgten allerdings einem Gebirgskamm um nach einem dreistündigen Aufstieg den Gipfel zu erreichen. Das Panorama war atemberaubend und man konnte, den Scheitel auf 999,8 Metern über Null tragend, sowohl Schnee als auch goldene Strände und den sagenumwobenen Snæfellsjökull sehen. Der Schneeberggletscher ist laut Jules Verne der Eingang zum Mittelpunkt der Erde und somit zentraler Bestandteil des gleichnamigen weltbekannten Romans.
Der Rückweg war wie immer überraschend anstrengend, da man ständig um seinen Tritt kämpfen musste und nicht jedes Paar Füße richtig ausgerüstet war. Am Scheideweg des Abstieges kam die Ansage des Guides Wer wolle, könne von hier den Berg runter rennen… Was dann viele auch taten. Auf jeden Schritt kam ein zusätzlicher Meter bewegtes Gestein und im Nu zitterten die Oberschenkel und das Tal war erreicht. Bevor der Bus durch den Fluss wurde noch mal jede Flasche mit eiskaltem Wasser gefüllt und die Sonne begrüßte uns nach einem wunderschönen Tagesausflug bei der Ankunft im Dýrafjörður.
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